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Aktion und Power von Ruten und Blanks

Seit Jahren beschäftige ich mich mit Ruten und Blanks. Da gibt es neue Entwicklungen von Blanks und Ruten, aber man kann die Qualität nicht messen. Man findet Belastungstests und Biegekurven im Internet, jedoch sagt das noch lange nichts über die Qualität der Blanks und Ruten aus.

Der findige Fischer geht also in Foren und vertraut anderen Testpersonen ohne die eigenen Vorlieben zu berücksichtigen. Das geht auch nicht. Ein gefangener Fisch oder Rekord, welcher durch eine bestimmte Person entstanden ist, ist noch lange nicht übertragbar. Meine Kunden fragten mich oft nach meinen Angaben. Natürlich konnte ich die ein oder andere Rute oder Blank durch meine Wurftests genau bestimmen. Es waren jedoch immer meine gefühlten getesteten Ergebnisse. Auch diese sind selbstverständlich nicht allgemeingültig.

Ich suchte lange nach einer einheitlichen Messmethode um Blanks und Ruten vergleichbar zu testen. Am Anfang habe ich immer ein einheitliches Gewicht von 1kg an die Schnur gehängt und mir das Verhalten einer Rute unter dem selben Gewicht angeschaut.

Die Luft wird hier recht dünn, wenn man auf der Suche nach einem leichten Blank ist, welcher bei einer Belastung von 1kg nicht gleich in die Knie gehen soll. Selbst die besten Rutenbauer der Welt, so wie Zenaq, Yamaga oder Fisherman veröffentlichen zwar Belastungskurven, aber auf der Suche nach der fertigen Rute stellt man sehr schnell fest, das fertige Ruten jenseits der 1kg Belastungstests mit einer annehmbaren Biegungskurve jenseits der 200g Grenze liegen und nicht immer schön zu werfen sind.

Eines Tages bin ich auf eine Messmethode von Theodor Matschewsky gestoßen einen Kollegen und Rutenbauer. Hier werden zwei Punkte gemessen und miteinander verglichen. Ich malte mir zwei Messpunkte an die Wand und belastete die Rute nur an der Spitze so lange, bis sie die Messpunkte 1 und 2 erreichten (siehe Bild).

Powermessung
Dann dividierte ich das Gewicht welches erforderlich war um den Messpunkt 2 zu erreichen durch das Gewicht welches erforderlich war um den Messpunkt 1 zu erreichen und erhielt einen Faktor. Den so genannten Powerfaktor.

Nun konnte ich zumindest Ruten und Blanks miteinander vergleichen und das wahre Wurfgewicht berechnen indem ich für das untere Wurfgewicht eben diesen Messwert 1 durch den Powerfaktor teile und für das obere Wurfgewicht das Messergebnis 2 durch den Powerfaktor teile.

Hier stellte ich erstaunliches fest.

Moderne Blanks mit einer XXX-Fast Aktion hatten einen sehr hohen Powerfaktor wobei sehr Moderate Ruten einen niedrigeren Faktor aufweisten. Viele der Wurfgewichtangaben der Hersteller waren falsch und mussten sich den neuen Messergebnissen stellen. Insbesondere spielen die Hersteller mit den Begriffen Fast und extra Fast ohne wirklich zu begreifen was das bedeutet.

So konnte ich grob folgenden Powerfaktoren diese entsprechenden Aktionen zuordnen:

Slow = Powerfaktor < 4
MM-Fast = Powerfaktor 4 – 4,4
M-Fast = Powerfaktor 4,4 – 4,6
Fast = Powerfaktor 4,6 – 4,8
X-Fast = Powerfaktor 4,8 – 5
XX-Fast = Powerfaktor > 5

Je größer der Powerfaktor ist, um so schneller stellt sich der Blank nach einer Belastung in seine Ausgangsposition zurück. Es handelte sich also um die Messung der Schnellkraft eines Blanks oder einer Rute.

Jetzt hatte ich sehr genaue Angaben über die Aktivität bzw. Aktion eines Blanks. (Siehe Bild oben)

Eine Rute mit einer ausgeprägten Spitzenaktion also XX-Fast geht nach einer Belastung also schneller wieder in die ursprüngliche Position zurück als eine Moderate Rute. Was aber keinesfalls mit der Qualität einer Rute zusammenhängt. Ganz im Gegenteil. Mir sind manchmal beim Spinnfischen moderate Ruten lieber als XX-Fast Ruten.

Auch hat die Aktion nichts mit der Wurfweite einer Rute zu tun. Vielmehr erfordern manche Köder eine moderate andere eine faste Aktion für ein besseres Wurfergebnis. Lange Hardbaits wirft man besser mit moderaten Ruten. Castjiggs werfen sich besser mit Fast Ruten.

Auch kommt es auf die persönliche Vorliebe an. Es steht fest, das man mit moderaten Ruten stressfrei einige Würfe mehr machen kann als mit Fast Ruten. Der Vorteil einer Fast Rute liegt in der Zielgenauigkeit der Würfe. Daher finden immer mehr Baitcaster ihre Vorliebe in XX-Fast Ruten, da sie hier präziser ihre Ziele mit kurzen Bewegungen anwerfen können.

Auch kann der Anhieb bei einem Biss schneller gesetzt werden. Gerade bei Barsch und Zander ist dieses sogar erwünscht.

Bei Ruten mit Stationärrolle hat sich das Thema XX-Fast noch nicht so recht durchsetzen können. Auch ist eine hohe Anfangsbeschleunigung der Köder bei Multirollen als auch Baitcastrollen durchaus erwünscht. Insofern erklärt sich bei dieser Angelmethode auch die Vorliebe zu Fasten Aktionen.

Der Nachteil ist die hohe Gefahr der Perückenbildung bei Würfen mit XX-Fast Ruten und Multirollen. Eine Moderate Rute kann gerade Anfängern hier sehr willkommen sein. Gerade bei Spinnruten findet man häufig die Fast Aktion. Diese Aktion mit einem Powerfaktor von 4,6-4,8 hat eine wunderschöne Biegung bis über die Mittelachse der Rute ohne im Drill Reserven bis zum Handteil zu verschenken.

Ruten mit einer Fast Aktion sind sehr angenehm zu fischen.

Solltet ihr zu diesem Beitrag Anregungen oder Anmerkungen haben freue ich mich natürlich sehr.

 

 

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